Jul 30

Obwohl es gegenüber den 6,9 Milliarden Ausländern nur 6,7 Millionen Schweizer Bürger gibt, sind diese für 52,2 % der Straftaten in der Schweiz verantwortlich. Also sind die Schweizer nach Adam Riese 1124-mal krimineller als Ausländer!

Logisch, oder?

Die SVP macht genau diese Rechnung – nur umgekehrt. Obwohl der Ausländeranteil nur 21,7 % betrage (bei anderer Gelegenheit sinds dann plötzlich 27,2 %), seien die Ausländer für 47,8 % der Straftaten verantwortlich. (Oder um noch mehr Eindruck zu machen: 70 % der Gefängnisinsassen sind Ausländer!) Dabei wird absichtlich unterschlagen, dass viele der Delikte von Ausländern verübt werden, die gar keinen Wohnsitz in der Schweiz haben, also in den 21,7 % nicht enthalten sind. Trotzdem wird diese ausländische Wohnbevölkerung zumindest indirekt für alle Straftaten von Ausländern verantwortlich gemacht und eine Gesetzesverschärfung, die genau diese Gruppe betrifft, mit dieser falschen Rechnung begründet.

Korrekt ist, dass 2009 die 21,7 % der Wohnbevölkerung, die keinen Schweizer Pass haben, für 29 % der Verstösse gegen das Strafgesetzbuch beschuldigt wurden. Die 78,3 % Schweizer wurden dagegen für 52 % der Verstösse gegen das Strafgesetzbuch verantwortlich gemacht. (Quelle)

Natürlich ist dieses Verhältnis noch immer nicht schmeichelhaft für die ausländische Wohnbevölkerung. Aber es ist auch kein Grund für die Verbreitung einer Alarmstimmung, wie das die SVP versucht.

Feb 04

Wir leben in der Ära der nicht- und mässig repräsentativen Umfragen. Umfragen scheinen immer recht zu haben – vor allem die nicht-repräsentativen. Fast im Minutentakt wird auf irgendwelche Umfragen bezug genommen. Oft wird schon gar nicht mehr erwähnt, ob die Umfrage in einem repräsentativen Verfahren zu Stande kam und wie hoch die Abweichung ist. Sätze wie diese sind Standard geworden:

Das jurassische Kantonsparlament sprach sich denn auch mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für die Aufnahme der Uiguren aus. Dagegen scheint das die jurassische Bevölkerung anders zu sehen: In einer Online-Umfrage des «Quotidien jurassien» waren zwei Drittel der Abstimmenden gegen die Aufnahme der Häftlinge.

Als ob ein Poll auf einer Zeitungswebsite ein repräsentativeres Ergebnis erzielen könnte als die Volksrepräsentanten im Parlament. Ein Poll auf einer Website hat erstens immer ein einseitiges Teilnehmerfeld, und zweitens sind dabei Mobilisierungen von Befürwortern oder Gegnern nie auszuschliessen, was die Umfrage komplett wertlos macht.

Auch sitzen die Medien laufend tendenziös gestalteten Umfragen von PR-Agenturen auf, die schon vor der Umfrage wissen, was für ein Resultat sie gerne hätten. Durch eine tendenziöse Art der Fragestellung kann man Umfragenresultate sehr einfach beeinflussen.

Ausserdem werden in eigentlich repräsentative Umfragen unhaltbare Dinge hineininterpretiert. Wenn dies dann offensichtlich wird, reicht man den Schwarzen Peter schnell weiter.

Liebe Redaktionen: Hört auf mit dem täglichen desinformativen Umfragewahn!

Dez 27

Wieso interessieren wir uns für gewisse Länder mehr als für andere? Wieso hat uns der Tsunami in Thailand mehr erschüttert als der gleiche Tsunami in Indonesien, obwohl er dort ein Zigfaches an Zerstörung gebracht hat? Wieso scheint uns Prag weiter entfernt als Wien, obwohl ein Blick auf die Karte etwas anderes sagt? Wieso ignoriert unser «Radar» gewisse Länder?
Schlüssige Antworten darauf zu finden, ist nicht einfach. Unsere Kapazität scheint begrenzt zu sein – wir können uns nicht für alles interessieren. Also interessieren wir uns für das, was uns bereits «näher» ist, was wir schon besser kennen.

Sicher ist, dass wir durch unsere (fehlende) Aufmerksamkeit die politischen Geschehnisse in den betreffenden Ländern beeinflussen. Je höher die Aufmerksamkeit, desto grösser der äussere Druck auf die Politiker.

Ich wollte mal wissen, welche Staaten uns überdurchschnittlich interessieren und wo wir quasi «weisse Flecken» auf unserer Landkarte haben. Wer einen Staat in Wikipedia nachschlägt, bekundet damit Interesse an ihm. Ich habe die Zugriffszahlen der ersten acht Monate 2009 zu den Länder-Artikeln der deutschsprachigen Wikipedia verglichen mit der Grösse (Einwohnerzahl) dieser Staaten. Natürlich ist es so, dass wir sehr grosse Staaten bezogen auf die Einwohnerzahl weniger oft nachschlagen. Dies liegt auch daran, dass wir uns bei grossen Staaten vermehrt auch für Teilstaaten, Gebiete und Städte interessieren und diese direkt nachschlagen. Da ich die Zugriffe auf all diese Orte innerhalb eines Staates nicht zählen konnte, habe ich die Rechnung so angepasst, dass sich sowohl grosse wie kleine Staaten in der Rangliste verteilt haben – indem ich von der Einwohnerzahl die Quadratwurzel gezogen habe. Nur die Zwergstaaten sind dabei ausser Konkurrenz gefallen – aber es ist ja auch so, dass diese verglichen mit ihrer Einwohnerzahl überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit erhalten.

Dies ist also die Rangliste der gemäss den Interessen der deutschsprachigen Wikipediabenutzer am weitesten «entfernten» Staaten: Weiterlesen »

Dez 14

Sagen Sie mir bitte anhand der Skala von 1 bis 7, wie gross Ihr Vertrauen in das Internet ist.

An manchen Tagen ist das Internet zu Spässen aufgelegt und will mich verarschen, aber meistens ist es seriös und zeigt einigen Sachverstand – also: 5.

Von solchen Sorgenbarometer-Umfragen sponsered by Credit Suisse leiten die Politiker dann ihre Politik ab.

Weiter bei Philippe Wampfler

Dez 01

Im November verzeichnete dieses Blog erstmals über 2000 Views – und dann warens gleich 3455. Möglich gemacht haben das fleissige Verlinker, bei denen ich mich hier mal herzlich bedanken möchte: Flöschen, Ugugu, André, Michael, nochmals Ugugu, Lupe, Titus, nochmals Ugugu, Bobsmile, Gebsn, Uertner, Thinkabout, Protostomia, der Postillon, M.M., Bruder Bernhard, Andreas, @thlang, @Ugugu sowie weitere Retweeter und anonyme Statusupdater. (Habe ich jemanden vergessen?) Möglich gemacht hat das aber auch Tante Google, die alle, die in Winterthur nach einem Minarett suchten, an mich verwiesen hat. Dieser Artikel hat den Rekord von insgesamt 568 Views, wobei anzumerken ist, dass in dieser Zahl all jene nicht inbegriffen sind, die den Artikel auf der Startseite, auf einer Schlagwortseite oder direkt im Feedreader lesen. Interessant war auch, dass plötzlich uralte Artikel wiederentdeckt wurden. Danke auch an die Stammleserschaft für die Treue! Weiterlesen »

Jun 13

Nun ist es also soweit: Couchepin tritt zurück, und es steht uns eine äusserst spannende Bundesratswahl bevor, wenn auch erst im September. Spannend ist sie vor allem parteipolitisch: FDP, CVP, SVP und Grüne können (unterschiedlich) begründeten Anspruch erheben. Ein Überblick über die möglichen Begründungsansätze:

Wähleranteil der Parteien (2-2-2-1-System): Die drei wählerstärksten Parteien sollen mit je zwei, die viertstärkste mit einem Bundesrat vertreten sein. Resultat: 2 Sitze für die SVP (29 %), die SP (20 %) und die FDP (die sich mit der Fusion mit den Liberalen diesbezüglich in eine bessere Position gebracht hat: 17 %) und einen für die CVP (15 %).

Wähleranteil der Parteien (proportional): Die Parteien sollen proportional gemäss ihrem Wähleranteil im Bundesrat vertreten sein. Resultat: 2 Sitze für die SVP (29 %) und die SP (20 %) und je einen für die FDP (17 %), die CVP (15 %) und die Grünen (10 %).

Parteistärke im Parlament: Die Anzahl Parteisitze im Parlament widerspiegelt nicht genau den Wähleranteil, da der Ständerat im Majorzsystem gewählt wird (Personenwahl). Berücksichtigt man dies, ergibt sich folgendes Resultat: 2 Bundesratssitze für SVP (64 Parlamentssitze), SP (51) und FDP (47) und einen für die CVP (46). Die Grünen haben nur 22 Parlamentssitze und haben nach dieser Logik weder mit dem 2-2-2-1-System noch proportional einen Anspruch.

Fraktionsstärke (2-2-2-1-System): Die ausschlaggebende Einheit im Parlament ist nicht die Partei, sondern die Fraktion. Gemäss dieser Argumentation soll also die Fraktionsstärke den Ausschlag geben. Resultat, wenn man die 2-2-2-1-Formal anwendet: je 2 Sitze für die SVP (inkl. Lega, 65), die CVP-EVP-glp (52) und die SP (51) und einen für die FDP (47).

Fraktionsstärke (proportional): Das Gleiche, aber proportional verteilt: 2 Sitze für die SVP (inkl. Lega, 65) und die CVP-EVP-glp (52) und je einen für die SP (51), die FDP (47) und die Grünen (inkl. CSP und PdA, 24).

Blockstärke (mit 3 Blöcken, BDP in der Mitte): Man könnte das Parlament in 3 Blöcke zusammenfassen. Resultat: 3 Sitze für BDP/FDP/CVP/EVP/glp (105) und je 2 Sitze für SVP/Lega/EDU (66) und SP/Grüne/CSP/PdA (75).

Blockstärke (mit 3 Blöcken, BDP rechts): Wenn man die BDP zum SVP-Block zählt: 3 Sitze für FDP/CVP/EVP/glp (99) und je 2 Sitze für SVP/Lega/EDU/BDP (72) und SP/Grüne/CSP/PdA (75). Dies entspricht dem Status quo.

Blockstärke (mit 2 Blöcken): Man könnte das Parlament auch in 2 Blöcke teilen, links und rechts. Resultat: 4 Sitze für die Ratslinke mit CVP/EVP/glp/SP/Grüne/CSP/PdA (127) und 3 Sitze für die Ratsrechte mit SVP/Lega/EDU/BDP/FDP (119).

Meine Prognose: Die Chancen stehen sehr gut, dass sich der letzte Ansatz durchsetzt. Dadurch, dass nur ein Sitz vakant ist und die nächsten Wahlen noch recht weit weg sind, sind taktische gegenseitige Unterstützungsabsprachen zwischen den Parteien unwahrscheinlich. Es genügt nicht, wenn ein Kandidat von einem von drei Blöcken unterstützt wird. Er braucht die Mehrheit. Darum wird wohl die CVP mit Hilfe der Linken das Rennen machen. Dieser Block war bisher untervertreten. Die FDP hat aber noch eine Chance, insbesondere wenn sie einen sehr linken Kandidaten aufstellt.

Sep 29


Die SVP Schaffhausen verlor zwischen Oktober 2007 und September 2008 31 % ihrer Wählerschaft.

(Quelle 1, Quelle 2)