Jan 09

Wir haben uns daran gewöhnt, und über eine Gewohnheit regt man sich nicht auf. Trotzdem sind sie ein ärgerliches und unnützes System: die Velovignetten. Jedes Jahr gehe ich auf die Gemeindeverwaltung, um die von der Gemeinde bezahlte Velovignette abzuholen (und mich als Bezüger zu registrieren). Für mein Ersatzvelo muss ich dann noch eine zusätzliche Vignette kaufen.

Hier meine 7 Gründe, wieso dieser alte Zopf abgeschafft werden muss:

  • Aufwand für Velofahrende: kaufen bzw. abholen, anbringen, ausfüllen und aufbewahren des Zettels.
  • Diebstahl vs. Übertragbarkeit: Klebt man die Vignette nicht fest auf den Rahmen (zum Beispiel, um sie von Velo zu Velo wechseln zu können), kann sie geklaut werden. Es muss dann eine neue gekauft werden.
  • Vergrösserung der Versicherungslücken: Je mehr verschiedene Haftpflichtversicherungen man haben muss, desto grösser ist die Gefahr von Versicherungslücken. Viele Leute haben aus Unwissen, Vergesslichkeit, Diebstahl oder Spargedanken keine Vignette und sind dadurch unterversichert.
  • Überversicherung: Viele haben aus Unwissenheit oder weil sie im Ausland Fahrräder (ohne Vignette) benutzen die Velohaftpflicht in ihrer normalen Haftpflicht inbegriffen und sind dadurch doppelt versichert.
  • Unverhältnismässige Bürokratie: Der grösste Teil der Kosten der Vignetten fliessen in die Administration, Produktion, den Vertrieb und Verkauf. Viele Gemeinden geben die Vignetten ihren Einwohnern zudem gratis ab und haben dadurch selber einen unverhältnismässigen Aufwand.
  • Veloverkehr ist grenzüberschreitend: Ausländische Velofahrer haben keine Vignette. Für sie wird die Haftpflicht bereits jetzt anders geregelt.
  • Einfacher Ersatz: Die Velohaftpflichtversicherung könnte ganz einfach in die normale Haftpflichtversicherung integriert werden, die eigentlich sowieso jeder braucht.

Fazit: Die Velovignetten tragen dazu bei, dass Velofahren weniger attraktiv und risikoreicher ist und belasteen in gewissen Gemeinden erst noch den Steuerzahler.

Philipp Stähelin (CVP-Ständerat) möchte deshalb mit einer parlamentarischen Initiative die Velovignette abschaffen. Jedoch ist die Velovignette eine gemeinsame Geschäftemacherei von Versicherungen, Finderdienstleistern und den Verkehrs- und Veloverbänden, so dass diese kein Interesse an einer Abschaffung haben.

Sep 27

Fast ebenso wichtig wie billige öV-Billete sind einfache öV-Billette. Die Tarifstruktur ist heute schon viel zu kompliziert, und die SBB denkt über eine weitere Verkomplizierung nach.

Ich will jederzeit in einen Zug steigen, ohne mir Gedanken über verschiedene Preistrukturen und mögliche Varianten für ein günstiges Billett machen zu müssen. Das ist Freiheit. Ein einfaches Billettsystem sind ein grosses Kundenbedürfnis. Darum laufen auch die GAs so gut. Es ist ein wichtiges Mittel im Konkurrenzkampf gegen den Personenwagen. Aber den SBB scheinen Kundenbedürfnisse mehr und mehr egal zu sein. Schliesslich sind die Züge ja sowieso voll. Aber: So verspielen sie rasch den Kredit in der Kundschaft.

Die SBB würden besser an der Verringerung der Ausfälle des Rollmaterials («Dieser Zug fährt heute nur mit einer Komposition») und an intelligenten Billetautomaten arbeiten, die alternative Tickets vorschlagen. Ausserdem könnten sie die Vergünstigungen für die kaufkräftigen Rentner aufheben. Und dort, wo sie noch nicht an den Kapazitätsgrenze angelangt ist, wenigstens genügend Plätze anbieten (z.B. während RS-Zeiten am Sonntagabend zwischen Zürich und Bern).

Eine weitere Verkomplizierung der Preisstruktur und eine Einschränkung der Billettgültigkeit sind das Letzte, das die gepeinigte Kundschaft brauchen kann.