Mrz 20

Ist doch toll, jetzt kann man wieder einmal auf alle liebgewonnenen Feindbilder einschiessen: Die katholische Kirche, die 68er, die Reformpädagogik, die linken Schriftsteller: Sie vertuschen, sie wiegeln ab, sie verharmlosen, sie nehmen die Täter in Schutz.

Indem man mit dem Finger auf die anderen und sich selbst «schockiert» zeigt, kann man sich ganz einfach davon ablenken, dass man selber vielleicht auch schon unsicher war im Umgang mit Kindern, dass Übergriffe jedem passieren können und in jeder Organisation vorkommen können, handelt sie noch so konsequent und professionell. Man kann sich ganz einfach als Anwalt der Opfer aufspielen und lückenlose Aufklärung, Verfolgung und harte Strafen fordern.

Betroffene Ernst zu nehmen und zu schützen, hat damit aber nichts zu tun.

Apr 06

Schützt ein Verbot von mittelalterlichen Ritterspielen vor Amokläufen?»

Hier. (Via.)

Feb 01

Am 9. Januar vermeldeten die Zeitungen, dass das Minarett in Wangen bei Olten installiert worden sei, dessen Baugesuch 2006 eine Protestwelle ausgelöst hat, in deren Folge ein Gang vor das Bundesgericht und die eidgenössische Volksinitiative gegen den Bau von Minaretten gestartet wurde. Und nun? Keine Proteste, keine Interviews mit empörten Anwohnern und Politikern, kein Update der entsprechenden Wikipedia-Artikel – es gibt nicht einmal ein Foto vom Haus mit dem fertigen Minarett.

Warum auch? Warum soll das Minarett stören? Plötzlich merkt man, dass die Entrüstung über ein solches Türmchen völlig unverhältnismässig war.

Jan 29

Es ist gut für die Demokratie, wenn um eine Abstimmung gekämpft wird. Weniger gut ist, wenn der Realitätssinn dabei verloren geht. Der Abstimmungskampf zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit ist überhitzt. Beide Seiten versuchen eine Katastrophe herbeizureden, für den Fall, dass sie die Abstimmung verlieren.

Beruhigt euch, Leute: Es wird keine Katastrophe geben. Eigentlich wird sich bei einem Ja wie bei einem Nein gar nichts ändern. Die Rumänen und Bulgaren werden weiterhin nicht en masse in die Schweiz kommen können und auch nicht wollen. Und bei einem Nein wird der Bundesrat und die EU eine Lösung finden, die Bilateralen I weiterzuführen. Es wird eine neue Abstimmung mit separaten Vorlagen geben. Die EU stellt bei einem gescheiterten Referendum nicht gleich die Politik auf den Kopf, wie die Abstimmungen in Frankreich, den Niederlanden und Irland gezeigt haben.

Die Abstimmung hat eigentlich nur symbolischen Charakter und keine tiefgreifenden Konsequenzen, wie es uns Befürworter und Gegner glauben machen wollen.

Jan 20

Eigentlich könnte man ja denken, Gaza sei weit weg, die Schweizer gehe das nichts an. Die Schweizer könnten den Krieg kühl und distanziert zur Kenntnis nehmen, wie sie es bei Kriegen in Sri Lanka oder Kongo machen. Der Nahe Osten aber ist anders: Er weckt Gefühle, die wir selten empfinden bei Nachrichten aus der Welt: Sympathie, Unverständnis, Bestürzung, Ablehnung, Trauer, Wut und sogar Hass. Leserbrief- und Kommentarspalten füllen sich, die Parteien (quer durch die politischen Parteien) stehen sich unversöhnlich gegenüber, die Journalisten geraten zwischen die Fronten ihrer eigenen Leser-/Hörer-/Zuschauerschaft. Im Nahen Osten scheint es keine Neutralität/Objektivität zu geben. (Vielleicht ist Neutralität sowieso eine Illusion, und der Nahe Osten ist der Beweis dafür.)

Wieso denn? Politische und religiöse Überzeugungen vermischen sich mit uralten Vorurteilen und mit der europäischen Geschichte. Verschafft die propalestinensische Seite ihrer Wut Luft und begibt sich auf die Strasse, mischt sich in die Wut über die israelische Politik auch Hass gegenüber dem jüdischen Volk, wodurch sich die proisraelische Seite über antisemitische Grosskundgebungen schockiert zeigt, wodurch sich die andere Seite wiederum unverstanden fühlt. Politische, religöse, ideologische und rassistische Argumente sind so ineinander verwoben, dass eine rationale Auseinandersetzung kaum möglich erscheint – nicht nur für Juden und Araber, sondern auch für «normale» Schweizer. Da dachte man, die Schweizer könnten alles nüchtern und neutral betrachten und in jeder Frage einen Kompromiss finden – weit gefehlt! Der Gaza-Krieg herrscht auch in der Schweiz.

So betrachtet finde ich es eigentlich sehr erstaunlich, dass innenpolitisch in der schweizerischen Gesellschaft keine solch tiefe Gräben mehr vorhanden sind. Eidgenössische Konsenspolitik – was für eine Leistung!

Dez 31

Der Landessender Beromünster wurde vor zwei Tagen ausser Betrieb genommen. Denn er verstösst gegen die verschärften Strahlungsgrenzwerte – obwohl bis seine Sendeleistung bereits massiv von 600 auf 180 kW reduziert wurde. Wieso gab es eigentlich nie einen lautstarken Bürgerprotest gegen diese Strahlung?

Heute ruft jede neue Mobiltelefonantenne massiven Protest hervor. Mit dem Unwort «Elektrosmog» wird der herrschenden Angst, um nicht zu sagen Paranoia, Ausdruck verliehen. Eltern schenken ihren Kindern Handys, was sie aber nicht davon abhält, gegen die geplante Antenne im Quartier zu protestieren. Vielleicht sollte man dazu übergehen, auch im Mobilfunk mit wenigen, aber grossen Anlagen Gebiete grossflächig zu versorgen. Dann nimmt zwar die Strahlenbelastung zu, dafür stehen die Antennen nicht mehr im Wohnquartier oder gar – was für ein Horrorszenario – auf dem Schulhausdach. Aus dem Auge aus dem Sinn!

Nov 22

Journis bashen Blogger – Blogger schreien auf.
Politiker bashen Journis – Journis schreien auf.

Dabei versuchen alle, möglichst von ihren eigenen Fehlern und Schwächen abzulenken und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wie wäre es, mal vor der eigenen Haustüre zu wischen?

Wie wäre es, lieber Herr Sigg, lieber Herr Schmid, einmal offen und proaktiv zu kommunizieren, statt immer nur zuzugeben, was sich nicht mehr abstreiten lässt? Wie wäre es, ehrlich zu sein und Fehler einzugestehen?

Wie wäre es, liebe «Qualitätszeitungen», eigene Inhalte zu produzieren, die den Abopreis auch rechtfertigen, statt abzuschreiben? Wie wäre es, der Geschichte bis auf den Grund zu gehen?

Wie wäre es, liebe Mitblogger, Meinungen von Aussen zu akzeptieren und nicht immer gleich «Bloggerbashing!» zu rufen? Wie wäre es, sich nicht bei jedem kritischen oder ironischen Wort sich gleich angegriffen zu fühlen? Wie wäre es, weniger in Schubladen zu denken?

Wenn man mit der eigenen Rolle nicht zurecht kommt, liegt die Ursache selten bei den anderen.

Ich für meinen Teil, ich blogge was mir gefällt, ich lese was mir gefällt, ich zahle dafür sogar, wenn es mir gefällt, und ich lass die Journis schreiben, was ihnen gefällt. Und manchmal schüttle ich über alle den Kopf.

Nov 05

Während alle aus der Finanzkrise dem Populismus verfallen und mit kurzsichtigen Forderungen Profit herauszuschlagen versuchen, bleibt er der Antipopulist in Person: Er warnt vor unbeabsichtigten Folgen der Abzocker-Initiative. Mit Argumenten, die während einer ganzen Arena-Sendung nicht zur Sprache kamen. Nicht gerade das, was man von einem SP-Politiker erwarten würde. Es sollte mehr Rudolf Strahms geben in der Schweizer Politik.

(Bildquelle)

Okt 04

Die Berner FDP-Stadtratskanidatin und Offroaderfahrerin Sylvia Lafranchi berichtet im aktuellen Beobachter sehr offen über ihre Erfahrungen mit den Medien und unanständigen Grünen:

Schon am Sonntag ging es los mit SMS und Mails. Beschimpfungen, Beleidigungen, das meiste unterste Schublade, ich vermute, aus dem linksgrünen Lager. Ich muss sagen, irgendwie kann ich das sogar verstehen – so wie ich im Artikel der «Sonntags-Zeitung» daherkomme. Etwa das mit der Sicherheit, daran haben mich die Leserinnen und Leser auch aufgehängt: «Wer gibt mir die Garantie, dass ich mit einem kleineren Auto kein Kind anfahre?» Das klingt natürlich völlig blöd.»

Leute, reisst euch zusammen!

Sep 19

Wo es Skandale gibt, ist einiges faul. Wo sie fehlen, alles.

Skandalforscher Christian Schütze, zitiert in einem Essay im aktuellen Beobachter, das eigentlich eine (einseitige) Zusammenfassung dieses Dokumentes ist. Das Fazit: «Skandale sind wichtig für die politische Hygiene.»