Roland Näf, der Verbotspopulist
Ich sehe mich eigentlich als Pazifist, aber für diesen Anti-Killergames-Hype habe ich überhaupt nichts übrig.
Der Berner SP-Vizepräsident Roland Näf hat vier Faktoren ausgemacht, die Voraussetzung für einen Amoklauf sein sollen: mangelnde Wahrnehmung der Signale durch das Umfeld, Zugänglichkeit von Waffen, mediale Gewalt und die Persönlichkeit des Täters.
Würde man bei Ursache 1 und 4 ansetzen, könnte man nicht nur Amokläufe, sondern auch die hunderten von Suiziden pro Jahr verhindern.
Aber Näf möchte lieber dort ansetzen, wo mit der grössten Freiheitseinschränkung für die Allgemeinheit das kleinste Resultat erreichbar ist: Er will die bösen Medien verbieten.
Medienverbote sind ein markanter Einschnitt in die Freiheit. Die Nazis verbrannten missliebige Bücher, heute werden missliebige Games und Filme «verbrannt». Wenn Medien eine grosse Gefahr darstellen, kann es angebracht sein, sie zu verbieten oder den Zugang dazu zu erschweren, aber mit Medienverboten sollte man sehr vorsichtig sein.
Selbst wenn Medienverbote hier angemessen wären, wären sie heute kaum durchzusetzen, erst recht nicht, wenn in den betroffenen Kreisen keine Akzeptanz für das Verbot vorhanden ist. Näf hofft, dass die gesellschaftliche Akzeptanz der «Killergames» durch ein Verbot verringert. Ich finde es äusserst fraglich, ob Eltern, die ihren Kids heute Games kaufen, die man erst ab 18 kaufen kann, sich darum kümmern, wenn ihre Kids ganz verbotene Games spielen würden. Games bleiben bei einem Verbot übers Internet verfügbar, und der Reiz des Verbotenen wirkt sich kontraproduktiv aus.
Es ist also äusserst fraglich, ob man mit einem Medienverbot einen potenziellen Amoktäter vom Medienkonsum abhalten kann. Noch fraglicher ist es, ob dies dann einen Amoklauf verhindern würde. Ganz sicher würde es das eigentliche, persönliche Problem des potenziellen Amoktäters nicht lösen. Würde Näfs Analyse zutreffen, würde er sich dann nur selbst das Leben nehmen, seine Umgebung aber verschonen.
Unabhängig davon, ob das wirklich diese Auswirkung hat: Ist das wirklich die Lösung? Müsste die Lösung nicht vielmehr sein, dem Jugendlichen zu ermöglichen, in seinem Umfeld so akzeptiert zu werden, dass er keinen Grund hat, aus dem Leben zu scheiden? Das Umfeld des Täters spielt nämlich eine grössere Rolle, als Näf erkennt. Der erfolgsversprechende Ansatz wäre, ein soziales Netz zu haben, das niemanden ausgrenzt, sondern jeden teilhaben lässt. Ein Umfeld, das den Erwartungsdruck nicht laufend erhöht, sondern auch ein Scheitern zulässt. Und Eltern, die einer Auseinandersetzung über das, was da am Bildschirm läuft, nicht aus dem Weg gehen.
Das Problem auf die Medien abzuschieben, ist so billig und unsinnig, wie es auf die Ausländer abzuschieben. Es ist populär, aber nicht lösungsorientiert. Roland Näf ist ein Verbotspopulist.

Am 27. 3. 2009 um 23:15 Uhr
dass der die freiheit der medien einschränken will, kann ich noch irgendwie nachvollziehen. ich möchte nicht in seiner haut stecken und dank der fülle an medienberichten (meist ja bebildert) in keinen migros mehr einkaufen gehen können.
aber trotzdem, die vielfalt und die medienfreiheit darf man nicht einschränken.
nef hat sich eh die fülle an beiträgen mit seinem unvermögen, die situation rechtzeitig zu erkennen, selbst zuzuschreiben.
Am 7. 4. 2009 um 13:35 Uhr
Eine Gesellschaft die nicht fähig ist mit “Killer-Spielen” zu leben, hat meiner Meinung nach sowieso keine Zukunft. Es ist ja nicht so, dass man “Killer-Spiele” haben und spielen muss, oder dass es überhaupt “Killer-Spiele” geben muss, aber wenn “Killer-Spiele” verboten werden, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch “Raser-Spiele” verboten werden. Denn diese könnten ja “geistig sensible” Menschen dazu bringen, das Spiel mit ihrem eigenen Auto in die Realität umzusetzten. Und dann diese Filme mit den Banküberfällen und Bankeinbrüchen………es würde keine Ende nehmen.
Am 19. 5. 2009 um 22:08 Uhr
Dieser Artikel, und auch Dani’s Kommentar bringen es auf den Punkt: Ein Verbot einzelner Medien (oder sogar Sportarten, siehe Paintballdiskussion) würde nicht unserem Schutz dienen. Vielmehr würde es tausende Bürger dieses Landes in die Kriminalität drängen. Ausserdem würde es uns in eine Verbotsspirale bugsieren, denn wenn man A verbietet, wieso nicht gleich B, denn B wird für irgendeinen einigermassen politisch aktiven Menschen in diesem Land schon moralisch anstössig sein …
Es existiert eine Community bzw. ein Verein für erwachsene Schweizer Gamer, die sich gemeinsam gegen populistische Verbotsversuche und Verhetzung von Gamern einsetzt: www.gamerights.ch . Über den einen oder anderen Besuch von Interessierten würden wir uns sehr freuen. Danke für diesen tollen Beitrag!
Am 19. 5. 2009 um 23:41 Uhr
Danke für den Link.
Am 1. 8. 2009 um 15:02 Uhr
es ist schon alles gesagt. nur eines noch fehlt.
wählt nie mehr die SP.
Am 1. 8. 2009 um 17:45 Uhr
@el.mono: Nein, es gibt in der SP auch Leute, die die Sache ganz anders sehen. Und es gibt wohl in jeder Partei Verbotsbefürworter.